Konzeptidee für ein stadtteilorientiertes Sozial- und Gesundheitszentrum in Berlin


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Wir planen ein Sozial- und Gesundheitszentrum, in dem verschiedene Berufsgruppen zusammen mit den Menschen im Stadtteil für die Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten eintreten. Gesundheit verstehen wir hierbei deutlich umfassender als dies im Allgemeinen der Fall ist. Nicht nur die medizinische Versorgung und individuelle Verhaltensweisen stehen hier im Mittelpunkt, sondern die gesellschaftlichen Bedingungen von Gesundheit – von der lokalen bis zur globalen Ebene. Politische und soziale Faktoren wie Mietsteigerungen, geringes Einkommen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Rassismus oder Altersarmut beeinflussen die Gesundheit nachweislich stärker als die Qualität der medizinischen Versorgung alleine. Wir wollen an beiden Bereichen ansetzen. Indem wir Menschen dabei unterstützen, kollektive Lösungsstrategien für gemeinsame Problemlagen zu entwickeln. Indem wir uns aktiv an aktuellen politischen Auseinandersetzungen beteiligen. Und indem wir unsere Versorgungspraxis an den Bedürfnissen der Besucher_innen orientieren und mit ihnen gemeinsam weiterentwickeln. Wir wollen eine konkrete Alternative zu den derzeitigen ambulanten Versorgungsstrukturen entwickeln, in der Profitinteressen keinen Platz haben, Qualität statt Quantität gilt und Gesundheit als Allgemeingut verstanden wird, das mit den Menschen für die Menschen organisiert wird.

Soziale Bedingungen und Partizipation

Unser Ziel ist der in diversen Studien nachgewiesenen großen Relevanz sozialer Faktoren (z.B. Wohnen, Bildung, Arbeit, Partizipation) auf die Gesundheit der Menschen Rechnung zu tragen. Diese soziale Bedingtheit von Gesundheit wird sich in allen Aktivitäten des Zentrums wiederspiegeln. Partizipation soll sowohl in der medizinischen Versorgung eine Rolle spielen wie auch in der fortlaufenden Organisation und Weiterentwicklung des Zentrums.

 

Zusammenarbeit als Kollektiv

Den im Gesundheitssystem vorherrschenden starken Hierarchien innerhalb und zwischen den Berufsgruppen wollen wir eine Alternative entgegensetzen. In unserem Zentrum arbeiten wir im multiprofessionellen Team gleichberechtigt miteinander, tauschen uns in regelmäßigen gemeinsamen Fallbesprechungen untereinander aus und fördern den Wissenstransfer zwischen den Berufsgruppen. Unterschiedliche Blickwinkel und Handlungsansätze und die Möglichkeit voneinander zu lernen sehen wir als Bereicherung.

Vernetzung im Stadtteil

Wir wollen unsere konkreten Schwerpunkte und unsere praktische Arbeit an den im Stadtteil bestehenden Bedarfen ausrichten und versuchen, existierende Versorgungslücken zu schließen statt Doppelstrukturen zu schaffen. Daher suchen wir die intensive Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas, bestehenden Angeboten der Gesundheitsversorgung, Beratungsstellen und weiteren im Stadtteil aktiven Vereinen und Initiativen. Auch langfristig wollen wir durch die Vernetzung mit anderen Versorgungsstrukturen eine nachhaltige Begleitung der Patient_innen ermöglichen.

 

Barrierefrei – aber richtig

In vielen Gesundheitseinrichtungen werden gerade die Menschen mit dem höchsten Bedarf systematisch ausgeschlossen, indem Sprache, Fachbegriffe oder gar die räumlichen Voraussetzungen ihnen die Teilhabe erschweren. Zudem werden bestimmte Personengruppen (Flüchtende, Illegalisierte, etc) komplett oder teilweise von einer regulären medizinischen Versorgung ausgeschlossen. Hier wollen wir im Rahmen unserer Konzeptentwicklung innovative Lösungen finden, um allen einen gleich guten Zugang zu Krankenversorgung und Gesundheitsförderung zu ermöglichen.